Defragmentieren & Disk Optimieren

Fragen, Antworten, Tipps und Tricks zu Hard- und Software sowie Configdateien.

Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon Sparrowhead » 1. März 2010 23:01

Ich habe dem Pablo versprochen, ihm mit der Defragmentation der Disk zu helfen, und dachte mir, falls Bedarf besteht, schadet es nicht, hier eine Anleitung mit Erklärungen zu haben.

1. Defragmentieren - Wozu

Windows verwendet zur Verwaltung von Festplatten und deren Inhalt ein System namens NTFS. Diese unterteilt standardmässig das Volume (Partition, Laufwerk...) in Cluster ein, die je 4 KB gross sind.
Die meisten Dateien im System sind grösser als 4 KB und müssen daher in mehrere Cluster aufgeteilt werden. Für gewöhnlich versucht NTFS aufeinanderfolgende Cluster zu verwenden. Nachdem es das File zu schreiben begonnen hat, kann es jedoch passieren, dass es auf bereits verwendete Cluster stösst und muss an anderer Stelle des Volumes weiterschreiben.
Je voller die Festplatte, beziehungsweise je grösser das File, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass Files aufgeteilt werden. Diese einzelnen Teile werden Fragmente genannt. Je mehr Fragmente sich auf dem System befinden, umso langsamer wird es, weil die Harddisk länger braucht, um die Datei auszulesen - Der auf dem Aktuatorarm befindliche Lesekopf muss einen grösseren Weg zurücklegen, um die Dateifragmente auszulesen. (siehe Skizze)

Defragmentier-Programme finden die Fragemente und setzen sie wieder zu ganzen Dateien zusammen.


2. Defragmentierungssoftware
Windows liefert per Standard ein Defragmentierungstool. Um es zu finden, genügt ein rechts-click auf das Laufwerk im Explorer, anschliessend Eigenschaften auswählen und auf den zweiten Tab wechseln.
Bild

Für unsere Zwecke reicht dieses Tool jedoch kaum aus, da es ausschliesslich Fragmente verkettet, allerdings deren Positionierung auf der Festplatte ignoriert.

Alternativen gibt es unzählige, ich möchte die Vorgehensweise anhand von UltraDefrag demonstrieren. UltraDefrag ist kostenlos, OpenSource (GPL) und ziemlich umfangreich, obendrein mit Deutschsprachigem Userinterface versehen.
32-bit Download
64-bit Download
Im Zweifelsfall bitte die 32-bit Version runterladen und bei der Installation nicht auf die Auswahl von German vergessen!

3. UltraDefrag verwenden
Gleich nach der Installation erhaltet ihr ein nettes Feature, das es euch erlaubt direkt aus dem Windows-Explorer einzelne Files per rechts-click zu defragmentieren.

Beim Start empfagt euch eine schlicht wirkende Oberfläche, deren Schriftart -und Grad ihr im Konfigurationstool (Start - Programme - UltraDefrag - Preferences) anpassen könnt - Ich empfehle Tahoma und 10.

Defragmentieren
Lasst den Haken bei "Wechselmedien ignorieren" gesetzt, da häufiges Defragmentieren die Lebensdauer von SSD, Flashkarten und USB-Sticks erheblich verkürzt!

Der Knopf neu einlesen Scannt ein weiteres mal nach vorhandenen Festplatten - für Besitzer von eSata-Geräten und Wechselrahmen von Bedeutung.

Selektiert das Laufwerk eurer Wahl und klickt auf Analysieren. Nach kurzer Zeit werden über das Volume Informationen angezeigt
Bild
In meinem Beispiel sind 570 von ~30.000 Dateien Fragmentiert .

Dies nimmt einige Zeit in Anspruch. Je größer das Volume und je voller es ist, umso länger dauert dieser Vorgang. Um dem PC dabei nicht zusehen zu müssen, kann man "Shut down after Job" aktivieren und den PC werkeln lassen, während man sich anderweitig beschäftigt. Der PC wird zu Ende des Vorgangs automatisch beendet.

Nach beendeter Defragmentierung kann man sich einen Report erstellen lassen:
Bild
In meinem Fall sind 3 Fragmente verblieben - eines im Wurzelverzeichnis und 2 im Systembereich des MFT (Master-File-Table).
Keines der 3 lassen sich im laufenden Betrieb von Windows beheben. Gleiches gilt für etliche Systemdateien und die Datei pagefile.sys (beinhaltet das Speicherabbild und die virtuelle Speichererweiterung).

Optimieren

UltraDefrag bietet wie gesagt mehr Features, als das von MS gelieferte Standard-Tool. Eines davon ist die Laufwerksoptimierung. Diese Analysiert die Dateien in einem Volume und positioniert sie entsprechend auf der Festplatte. So werden häufig verwendete Dateien in Bereichen gespeichert, die schneller zu Erreichen sind (weiter aussen auf den Scheiben) und Archiv-Dateieb wie beispielsweise Zip-Dateien werden an schwerer zu erreichenden Stellen platziert. Dies beschleunigt den Zugriff auf die oft verwendeten Dateien, wie beispielsweise die Dateien, die ETQW verwendet.

Zur Optimierung einfach den Knopf "Optimize" drücken und warten - oder wiederum die Automatische Beendigung des PC aktivieren.

Wer möchte, kann natürlich dem bunten Treiben am PC zusehen:
Bild

Boot-Time Scan

Wie bereits zuvor erwähnt können System-Dateien im Betrieb von Windows nicht defragmentiert oder optimiert werden. Dazu bietet UltraDefrag die Möglichkeit des "Boot-Time-Scan".
Dieser wird nicht wie die beiden Vorgänger im User Interface per Knopf aktiviert, sondern in den Einstellungen.

Der Boot-Time Scan ist aufgrund seiner Natur ein wenig komplizierter zu erstellen, als die beiden vorhergehenden Optionen.
Es muss dazu ein Script erstellt / angepasst werden, indem man neben dem "Enable"-Kästchen auf "Script" drückt.

Es erscheint ein Text-Editor, der das vorhandene Script anzeigt. In diesem sind nun Parameter nach Bedarf zu setzen.
Bild

In meinem Fall habe ich das Script wie folgt erweitert:
Code: Alles auswählen
set UD_IN_FILTER=windows;winnt;ntuser;pagefile;hiberfil
set UD_EX_FILTER=temp

udefrag c:
udefrag f:
;udefrag -o c:
;udefrag -o f:

boot-off
shutdown
exit


UD_IN_FILTER setzt die Werte für die Systemverzeichnisse/dateien
udefrag X: führt für das Laufwerk X eine Defragmentierung durch
In meinem Fall für Laufwerke C: und F:
udefrag -o X: führt eine Laufwerksoptimierung für Laufwerk X durch
In meinem Fall sind diese beiden Optionen deaktiviert. Durch das entfernen des ";" werden die Einträge aktiv.
boot-off Sagt dem Programm, dass nach dem nächsten Durchlauf das Windows Boot-Time Scan nicht mehr aktiv ist.
shutdown beendet den PC.

Für Fortgeschrittene User
Wie bereits in oben angeführten Screenshot zu sehen, lässt sich Ultra-Defrag auch von der Kommando-Zeile aus bedienen.
udefrag --help zeigt, welche Optionen man setzten kann, beziehungsweise wie man sie scriptet.
Neben der Kommandozeilen-Operation liefert UltraDefrag noch einen kleinen Scheduler, mit dem es Täglich oder Wöchentlich aufgerufen werden kann.
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon twohead » 1. März 2010 23:32

Hammer Anleitung. Vielen Dank dafür!
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon mephir » 2. März 2010 00:58

Das Defragmentieren sollte aber nicht überbewertet werden. Bei einem fast 10 Jahre altem OS wie XP mag das noch einen Unterschied ausmachen. Aber unter Windows Vista oder 7 muss man deutlich weniger häufig defragmentieren, weil Dateien einfach effizienter abgelegt werden (NTFS != NTFS). Dazu kommt, dass die Windows Defragmentierung ab Vista einen ganz guten Job macht und auch mit kommerziellen Produkten mithalten kann...

Aber trotzdem schöne Anleitung. :)
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon oxy » 2. März 2010 01:06

Danke dass ich das nicht sagen musste, ich hab' schon mit Search letztens über Defragmentieren im IRC diskutiert.

Ohne jetzt konkrete Quellen nochmal gesucht zu haben, moderne Dateisysteme (unter anderem auch aktuelles NTFS (3.x?)) fragmentieren einfach weniger, weil die bei der Allokation schon schlauer sind (nicht direkt alles hintereinander pappen).

Für mich rangiert Defragmentieren bei den üblichen Optimierungstools a la Bildzeitung "100 geheime Tipps die ihren PC schneller machen" auf homoöpathischem Niveau.

Die Anwendungsfälle wo sich eine Fragmentierung (die bei modernen Dateisystemen eh weniger entsteht) positiv auswirkt sind eh gering.

Beim Spielen z.B. ist die Zugriffszeit auf die Festplatte eh total wumpe: Sobald das Spiel (inklusive Map) geladen ist wird doch eh nichts von der Festplatte nachgeladen.

Nachtrag:
http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/do ... 1&type=pdf beschreibt Forschung von 1996 auf dem Gebiet der Allokations Algorithmen um die Fragmentierung klein zu halten.
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon Sparrowhead » 2. März 2010 02:30

Obwohl das durchaus korrekt ist, können Systeme, die über lange Zeit am Rande der Überfüllung laufen bemerkenswerte Schwierigkeiten in punkto Performance erhalten.

Ich hatte selbst die Situation, in der die ETQW-Performance auf einer Map ins Bodenlose sackte, weil das pk3-file mehrfach fragmentiert war, und damit auch die Megatexture.

Wer die Platte häufiger mit grossen Files (mehrere 100MB) randvoll macht, sollte ab und zu (Größenordnung Jahre) mal defragmentieren. Anhand der Analyse eines Fragmentierungstools sieht man ohnehin, ob sich's lohnt, oder nicht.

Wer XP seit Jahren am Laufen hat und noch nie defragmentiert hat, sollte meines Erachtens das mal tun. Und genau an die Zielgruppe war diese Anleitung auch gerichtet.
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon Abahachi » 2. März 2010 10:29

Super Arbeit, vielen Dank!

Vista hatte bei mir nach 2 Jahren auch erhebliche Probleme. Drübergebügelt mit defragprog und der Unterschied war auf jeden Fall bemerkbar. Nicht so sehr im Spiel als vielmehr die tägliche Officearbeit und das starten aller Programme.

Trotzdem ist/war mein Rechner immer noch langsamer als vorher (ist ja grad in der Werkstatt :roll: ). Weil wir/Du aber grad so schön so ein Thema angefangen hast.... gibts noch mehr Tips vom FACHMANN?? :) Die "Bildzeitungstipps" sind mir immer zu äh... Massenorientiert :mrgreen:

Ich bin kein Schrauber und Bastler, ich brauche Anleitungen die funzen und deren Sinn ich im Vorfeld erkenne ;)

Wäre das eine ähh... erfüllende "Aufgabe" für Dich? :)

Dankende Grüße eines "Anwenders", Haugh!
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon Sparrowhead » 2. März 2010 12:19

Ich werde gerne wieder so Schritt-für-Schritt Anleitungen schreiben, allerdings fehlt mir da ein wenig die Fantasie, welches Thema benötigt wird. Da brauch ich Euren Input =)
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon PabloE. » 2. März 2010 12:30

Danke für deine Bemühungen Sparrow habe es mir sorfälltig durchgelesen und werde es mal ausprobieren :)
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon mephir » 2. März 2010 16:48

Abahachi hat geschrieben:Weil wir/Du aber grad so schön so ein Thema angefangen hast.... gibts noch mehr Tips vom FACHMANN?? :) Die "Bildzeitungstipps" sind mir immer zu äh... Massenorientiert :mrgreen:

Ich bin kein Schrauber und Bastler, ich brauche Anleitungen die funzen und deren Sinn ich im Vorfeld erkenne ;)


Der ultimative Tip für mehr Leistung: bessere Hardware kaufen. ;)

Meiner Meinung nach gibts da nicht viel zu optimieren. Anstatt irgendwelche Einstellungen am OS zu verändern lohnt sichs 1000x mehr zB auf mehr RAM zu setzen (unter der Voraussetzung, dass man nicht schon genügend hat) oder die Grafikkarte mal zu wechseln.

Du kannst natürlich Dinge abschalten, die du nicht brauchst (Aero, Visuelle Effekte, bei Diensten wirds schon wieder kritisch). Das ist aber dann nicht mehr "optimieren" sondern "verzichten". :)
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Re: Defragmentieren & Disk Optimieren

Beitragvon twohead » 2. März 2010 17:11

Sparrowhead hat geschrieben:Ich werde gerne wieder so Schritt-für-Schritt Anleitungen schreiben, allerdings fehlt mir da ein wenig die Fantasie, welches Thema benötigt wird. Da brauch ich Euren Input =)



Vielleicht gibts die schon, aber ich wollte wenn ich mal die Muße dazu habe mal eine Anleitung für DAUs schreiben, wie man eine Minimalconfig für QW selbst einrichtet. Enthalten sein sollten

1. ProModsettings für Clanbaseconfigs.
2. Minimieren in Windows.
3. Beispielhaft nur eine Fahrzeugklassenbindung für irgendwas das jeder braucht (Decoys auf Maus oder so).

Für versierte Nutzer gibts da schon genug Anleitungen. Aber für den DAU könnte man das teilweise glaube ich noch vereinfachen.
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